Am Donnerstag, den 28.01.2010, veranstalteten die Jusos Bad Kreuznach zusammen mit der Grünen Jugend, der JU und den Julis einen Debattenabend mit dem Thema Afghanistan. Je zwei Mitglieder der vier Parteien debattierten und diskutierten zu den Fragen von Manfred Thesing. Nach einer Stunde wurde die Diskussion dann auch für Fragen aus dem recht zahlreich erschienen Publikum geöffnet.
Hierbei mussten folgende Fragen beantwortet werden:
Was wollen wir eigentlich in Afghanistan? Ist es immer noch nötig, dort für Sicherheit und somit auch bei uns für Sicherheit zu sorgen? Ist das nur ein Kampf gegen den Terror oder verbirgt sich hinter dem Einsatz geopolitisches Interesse? Bringt die neue Strategie mit mehr Ausbildern für Armee und Polizei eine schnellere Übergabe an die örtlichen Behörden? Wie bekommt man es innenpolitisch auf die Reihe, mehr Zustimmung für eine neue Strategie zu erhalten? Wie realistisch ist es, in Afghanistan eine Demokratie gegen die Taliban erschaffen zu wollen? Wie sieht eine eigene mögliche Strategie aus?
Dabei ergab sich schnell das Bild, dass sich die Junge Union und auch die Julis voll und ganz auf das von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossene Strategiepapier verließen. Die eigene Meinung oder ein eigenes Konzept spielte eigentlich gar keine Rolle und kam sie mal zur Entfaltung so tappte die Junge Union als Vertreter der Christlich Demokratischen Union ins Fettnäpfchen als ihr Vertreter Alexander Kalus den Laizismus als notwendig befand. Bei der Verteidigung des Strategiepapiers wurde sogar bis ins kleinste Detail verteidigt. Die Julis forderten gar einen Einsatz der Bundeswehr „solange wie nötig“, wobei offen blieb wie lange dieses „solange“ gemeint war.
Die Grüne Jugend schlug einen gänzlich anderen Weg ein. Sie versuchten, mit der berechtigten Forderung nach mehr Entwicklungshilfe und weniger Blutvergießen zu punkten. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde aber schnell klar, dass das das einzige war womit sich die Grüne Jugend beschäftigt hatte. Weder ein Konzept jedweder Art noch ein Ansatz eines Konzeptes waren erkennbar. Immer wieder gab es dagegen dieselben Angriffe gegen das bestehende Konzept und die Korruption bzw. den Drogenanbau in Afghanistan.
Ein klares Bild gaben die Jusos ab. So wurde das neue Strategiepapier scharf kritisiert, aber gleichzeitig auch eine sinnvolle Alternative dargeboten. Auch positionierten sich die Jusos als einzige klar zu einem Abzug der Bundeswehr, der bis spätestens 2015 vollzogen werden soll. Deutlich wurde aber auch, dass Afghanistan seit 20 Jahren im Interesse amerikanischer Ölkonzerne lag, da diese durch Afghanistan eine Pipeline legen wollten, mit der die Öl- und Gasvorkommen östlich des Kaspischen Meeres von Russland und dem Iran unabhängig zugängig gemacht werden sollten. Ebenso kritisierten die Jusos die Aufstockung der Ausbilder in Afghanistan und die schnellere Ausbildung neuer Soldaten und Polizisten, weil bei den angegebenen Zahlen ein Mangel an Ausbildern in Deutschland auftreten wird. Ebenso waren die Jusos die einzigen, die ein vernünftiges Konzept für Afghanistan aufzeigen und erklären konnten. So forderten sie fünf Punkte: Erstens müssen die Taliban mit in den Regierungsapparat eingebunden werden. Zweitens müssen auch die regional unterschiedlich starken Stämme mehr als bisher die Regierungsbildung beeinflussen. Drittens darf den Afghanen kein westliches Weltbild aufgezwungen werden, sondern dieses muss sich in Afghanistan selber entwickeln. Viertens treten die Jusos dafür ein die Entwicklungshilfe nicht nur zu verdoppeln, sondern viel mehr Geld insbesondere für Krankenhäuser und Schulen zur Verfügung zu stellen und fünftens fordern die Jusos, dass Afghanistan was Nahrungsmittel angeht sich selber versorgen müsse und dass dabei der Mohnanbau stärker bekämpft werden muss.
Nur die Grüne Jugend war der Überzeugung, dass es möglich ist die Demokratie nach westlichem Vorbild in Afghanistan zu installieren. Bei allen anderen Parteien hingegen herrschte die Überzeugung, dass es ein langwieriger Prozess ist bis in Afghanistan die Demokratie Einzug findet. Vielmehr müsste eine Übergangslösung gefunden werden.